Montag, 24. Februar 2014

Tierliebe


Ist sie real?

Die Frage ist, bin ich meiner Überzeugung von Tierliebe (hier im Besonderen Liebe zum Pferd) treu? Wenn ich denke, ich liebe mein Pferd, was tue ich denn oder woran mache ich das fest? Jeden Tag muss ich sie neu beweisen. Sonst ist es eine Floskel. Sonst ist es wie beim Stolz. Ich kann mir auf die Schulter klopfen: Ich liebe mein Pferd. Ja toll, aber kann es das Pferd spüren oder tue ich nur so?
Doch wie ist es denn in unserer menschlichen Liebe zum Partner beispielsweise? Da sagen wir auch nicht, sie gibt es nicht oder wir täuschen uns. Die Liebe zum Pferd gibt es, sie ist auch real. Obwohl ein großer Teil Bewunderung dabei ist und Faszination. Und doch ist es eine Art von Liebe, von Zuneigung. Aber sie besteht nur (weiter), wenn ich sie nähre. Sie lebt davon, gezeigt zu werden – sie wird dadurch real, dass ich sie lebe und mir und dem Anderen zeige. Und ganz besonders braucht es der Geliebte, dass wir ihm zeigen, wie gern wir ihn haben, oder? Ich kann nicht eins sagen und das andere tun. „Ich liebe mein Pferd! Ja, und was tue ich, was Liebe genannt werden kann? Zumindest sollte ich dem Pferd zugestehen, nein zu sagen. Das beinhaltet, zuzuhören und mich zu bemühen, zu verstehen, was das Pferd mir sagt und es auch zuzulassen. Meist verlangen wir nur und erlauben nichts, was von unserer Vorstellung abweicht. Das ist keine Liebe. Das ist Sklaverei. Schließlich sind unsere Pferde schon gefangen, wir bestimmen ihren Tagesablauf und mit wem sie wann zusammen sein dürfen. Da sollte das Miteinander nicht auch noch von zu viel Bestimmen dominiert sein. Nicht einfach, ich weiß. Fangen wir mit unserer Einstellung dazu an, was wir vom Pferd erwarten. Gefühle und Gedankenbilder können vom Pferd ein Stück weit wahrgenommen werden. Das heißt: konzentrieren und innerlich wie äußerlich voll und ganz dabei sein, was ich tue.
Wir sind kein Pferd, um Chef zu sein. Wir sind kein Pferd, um das Pferd zu dominieren. Wir sind ein Mensch, der (hoffentlich) denken und reflektieren kann. Zuhören ist das Stichwort. Und dann nicht weg hören, wenn es uns etwas mitteilt. Sicher ist es nicht einfach, die Sprache der Pferde (richtig) zu deuten. Eine große Portion Ehrlichkeit ist wichtig, sie zu verstehen. Und Verständnis für seine Bedürfnisse.
Und wie geht das nun? Wie benehme ich mich als „Liebender“?
Ich glaube, das sind manchmal nur zehntel Sekunden. Wir merken, dass wir zu viel verlangen, nehmen ein „nein“ wahr, aber haben unser Ziel im Kopf und visieren es zu überzeugt an, dass wir nichts anderes zulassen wollen. Und schon ist der Moment vorbei, zu zeigen, dass ich zuhöre und zulasse. Ich muss mich schulen, Reaktionen und Antworten zuzulassen. Spontan sein, ist nicht immer leicht. Vom Plan und vom gedachten Weg abzuweichen, braucht Flexibilität. Doch auch in einer (menschlichen) Beziehung bin ich nicht immer gerecht, will mich durchsetzen und überhöre den anderen. Ich kann an mir arbeiten. Dazu ist eine Beziehung da, wenn ich es will. Und das kann ich auch mit dem Pferd. Lernen, mich verbessern, zuhören und immer wieder: zulassen und einräumen, dass ich Fehler mache. Sonst schiebe ich alles, was nicht nach Plan läuft auf das Pferd. Doch Pferde machen alles richtig. Es wirkt „falsch“, weil wir die Fremdsprache nicht richtig beherrschen.
Und Liebe ist Beziehung – ein Miteinander. Wenn ich das nicht vergesse, ist ein großer Schritt schon getan.

Sage „ja“ in der Beziehung zum Pferd und räume ihm ein, ein Partner auf Augenhöhe zu sein.


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